Doktor-Eisenbarth-Mittelschule Oberviechtach
Aktuelle Berichte 2019

Integration - das Wichtigste ist die Sprache


Integration ohne Deutschkenntnisse funktioniert nicht. Seit dem Schuljahr 2018/19 ersetzen Deutschklassen die Übergangsklassen für Flüchtlinge. In Oberviechtach wird ein anderer Weg für Mittelschüler mit Migrationshintergrund beschritten.

Mohammed, Sabah und Arri sind zusammen mit ihren Familien aus Syrien geflüchtet. Die drei Jugendlichen besuchen die Doktor-Eisenbarth-Mittelschule und machen gute Fortschritte beim Deutschlernen. „Rund zehn Prozent unserer Schüler haben einen Migrationshintergrund“, sagt Rektor Werner Winderl beim Pressetermin mit Oberpfalz-Medien. Bei rund 310 Schülern sind das etwa 30 Mädchen und Jungs. Davon spricht allerdings die Hälfte fließend Deutsch. „Ein Migrationshintergrund ist schon gegeben, wenn nur eines von den drei Punkten Geburtsland, Staatsangehörigkeit oder Verkehrssprache zutrifft“, erklärt Winderl.

Tatsächlich Probleme mit der Sprache haben aktuell 14 Schüler aus den Klassen sechs bis neun. Sie stammen aus dem europäischen Ausland (Rumänien, Bulgarien, Polen und Griechenland) sowie aus Afghanistan, Syrien und Vietnam. Ab dem Schuljahr 2018/2019 sollen in Bayern Flüchtlinge und Migranten ohne Sprachkenntnisse in sogenannten Deutschklassen unterrichtet werden. Während dies im Landkreis beispielsweise in Neunburg vorm Wald und Schwandorf der Fall ist, sind die Schüler in Oberviechtach auf die Regelklassen verteilt. Der Unterricht nach Stundenplan wird für sie täglich mit mindestens einer Doppelstunde Intensiv-Sprachkurs in kleinen Gruppen (vier bis fünf Jugendliche) unterbrochen, wofür sie aus den Klassenzimmern zusammengeholt werden. „Die Möglichkeit der Differenzierung kann nur in der offenen oder gebundenen Ganztagsschule geleistet werden“, stellt der Rektor dazu fest.

Den Unterricht „Deutsch als Zweitsprache“ (DaZ) übernehmen Lehrerin Gerlinde Simon-Bleicher und Nadja Dortmann (Leiterin der offenen Ganztagsschule). Beide haben eine DaZ-Ausbildung absolviert und wissen, mit welcher Methodik sie am meisten Erfolg haben. Statt Grammatik und Strukturübungen bleiben sie meist nah an der Realität. „Alltagsphrasen üben wir jeden Tag, bis sie sitzen“, erklärt Gerlinde Simon-Bleicher. Dazu gehören fundamentale Sprachhandlungen, wie zum Beispiel sich vorstellen, Wünsche und Bedürfnisse äußern und auch Ablehnungen formulieren.

Die Kurse gibt es mit verschiedenen Levels je nach Niveau. Besonders schwer tun sich die Schüler aus dem arabischen und griechischen Sprachraum. Hier steht zunächst die Alphabetisierung im Mittelpunkt. Auch die Altersstruktur sei schwierig. „Man weiß oft auch nicht, wie lange die Kinder schon in die Schule gegangen sind und wie alt sie eigentlich sind“, fügt Rektor Werner Winderl an. Außerdem gebe es - ebenso wie bei allen Schülern - eine breite Palette von leistungsbereit bis lernschwach. Gerlinde Simon-Bleicher erzählt von einem rumänischen Mädchen, welches mit wenig Deutschkenntnissen an der Schule startete und diese 2018 mit einem sehr guten Abschluss verließ. „Das Mädchen hat ein Ziel vor Augen und möchte Krankenschwester werden“, freut sich die Lehrerin.

Deutsch ist dann schwer, wenn die Sprachpraxis im Alltag fehlt und die Eltern nicht dahinter stehen. „Wir schauen schon drauf, aber man stößt an Grenzen“, bemerkt Winderl. Damit meint er auch die kulturellen Unterschiede. Das reicht vom Händeschütteln bis hin zur Akzeptanz einer weiblichen Lehrkraft. „Das klappt jetzt aber ganz gut“, betont Simon-Bleicher und fügt an: „Die Kinder kennen es oft ja gar nicht, dass eine Frau arbeitet.“ Förderlich für die Lerngruppen war es, dass es während des aktuellen Schuljahres keine Neuzugänge gegeben hat. Dies war zum Höhepunkt der Flüchtlingswelle im Jahr 2015 noch anders. Hier wechselten die Kinder in der damaligen Übergangsklasse fast wöchentlich. Mittlerweile gibt es auch Lehrmaterial und Übungsblätter mit vielen Bildern und einfachen Sätzen für Deutsch als Zweitsprache. „Das ist aber noch ausbaufähig“, meint Nadja Dortmann und blättert im Arbeitsheft der Reihe „Prima plus“.

„Das Wichtigste ist die Sprache“, betont Werner Winderl abschließend. Er übernimmt zweimal in der Woche den Ethik-Unterricht der fünften bis neunten Jahrgangsstufe und kennt seine Schüler mit Migrationshintergrund gut. Der Rektor freut sich, wenn es nach der Schule auch mit dem Beruf klappt. So wie bei Bin aus Vietnam, der seinen Ausbildungsvertrag als Maurer schon in der Tasche hat und fleißig Vokabeln büffelt.

Deutsch als Zweitsprache: Neuer Lehrplan

Ohne Sprachkenntnisse ist eine Integration in Ausbildung, Beruf und Gesellschaft kaum möglich. Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache werden deshalb auf breiter Basis gefördert. Die Maßnahmen basieren ab der 5. Klasse auf dem seit 1. August 2017 gültigen Lehrplan plus für das Fach Deutsch als Zweitsprache.

Text: Portner (DnT)/Fotos: Winderl


Nadja Dortmann (stehend hinten) unterrichtet in Kleingruppen Deutsch als Zweitsprache.

Auch im Informatikunterricht ist die Sprache wichtig. Mohamad kommt ganz gut zurecht.


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